IG BCE mußte handeln

Startschuss zum 24-Stunden-Warnstreik vor Globalfoundries

Am Freitag, 29. Mai 2020 um 14 Uhr fiel der Startschuss zum 24-Stunden-Warnstreik vor Globalfoundries.
Im Tarifkonflikt beim Dresdner Chiphersteller Globalfoundries (GF) haben am Freitag, 29. Mai 2020 um 14 Uhr, Mitarbeiter mit einem 24-Stunden Warnstreik begonnen, zu dem die IG BCE Nordost (Bergbau, Chemie, Energie) aufgerufen hatte. Die Mitarbeiter kämpfen für einen Tarifvertrag, der ihnen "mehr Rechte, mehr Geld und eine faire Arbeitszeit" bringt.

Karin Aigner

Es war diesmal ein eher ungewöhnliches Streik-Bild, dass sich vor den Toren des Unternehmens bot: Die Streikenden und deren Unterstützer hielten den vorgeschriebenen 2-Meter-Abstand (auch mit Klappsessel) ein und trugen Atemschutzmasken. Trotzdem war das Signal deutlich und entschlossen zu merken: „Wir haben die Schnauze voll. Wir lassen uns nicht länger hinhalten. Wir sind bereit, für die Tarifbindung zu kämpfen!“ Bereits zum 1. Schichtwechsel um 14 Uhr fanden sich zahlreiche Beschäftigte ein, die zeitweise die Arbeit niederlegten.
Sie ließen sich davon nicht abbringen - trotz des erneuten Versuch des Unternehmens, die Beschäftigten mit einer Streikbrecherprämie vom Streik wegzulocken - diesmal mit 100 Euro pro Schicht als Spende für eine gemeinnützige Covid-19-Organisation -
Oliver Heinrich, Verhandlungsführer und Landesbezirksleiter IG BCE Nordost: „Das klingt ja ganz nett. Aber dies ergibt keine soziale Balance. Wir sind über die anhaltende Ablehnung der Geschäftsführung tief getroffen. Sie weigert sich nach wie vor, sich mit uns endlich an den Verhandlungstisch zu setzen und über eine faire Tarifbindung zu sprechen. Die Kolleginnen und Kollegen leisten hier sehr Jahren gute Arbeit und eine Tarifbindung ist längst überfällig.“

Die Gewerkschaft strebt eine Tarifbindung erstmal über einen Haustarifvertrag für die 3.200 Beschäftigten des Unternehmens an.
Die Sprecherin der Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie, Landesbezirk Nordost Karin Aigner: „Ein Streik in der Krise ist nicht verantwortungslos. Verantwortungslos ist das Verhalten der Geschäftsführung. Dieses ist gegenüber den Beschäftigten respektlos und langsam setzt ein großes Fremdschämen ein!“
Darüber sind sich nicht nur die Streikenden einig - auch die sächsische Staatsregierung hat die Steigerung der Tarifbindung als Ziel in ihrem Koalitionsvertrag. Sachsen bildet mit einer Tarifbindung von 39 Prozent der Beschäftigten und 15 Prozent der Betriebe von allen Bundesländern mit Abstand das Schlusslicht bei der Tarifbindung in Deutschland.
Oliver Heinrich: „Pfingsten gilt auch als Fest der Erleuchtung durch den Heiligen Geist. Wir hoffen, dass diese Erleuchtung auch die Geschäftsführung ereilt und uns spätestens Anfang der nächsten Woche ein Verhandlungsangebot vorliegt. Wir wollen keine weitere Eskalation, sondern strecken dem Unternehmen weiterhin diplomatisch unsere Hand für Verhandlungen auf Augenhöhe entgegen!“ 

Nach oben