Mahnwache in Berlin

Energiewende nicht gegen uns

Keine Sonne, kein Wind vor dem Symbol der deutschen Einheit: Es hätte keine bessere Kulisse am Donnerstag in Berlin geben können, um die Botschaft der IG BCE Nordost zu verkünden. Unter dem Slogan „Energiewende nicht gegen, nur mit uns!“ versammelten sich 240 Kolleginnen und Kollegen aus den ostdeutschen Braunkohlerevieren zu einer Mahnwache vor dem Brandenburger Tor, stellvertretend für alle Betroffenen in den Revieren. Unterstützt wurden sie von einer kleinen Delegation des DGB. Auch von der Aurubis AG, ein Kupferproduzent aus Hamburg, kam extra eine Gruppe angereist.

© Blitzfang Medien GmbH
16.11.2017
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Mit Transparenten, die es auf den Punkt brachten, wie zum Beispiel: „Als Beschäftigte der Braunkohle von der Politik  Belogen, Betrogen, Verraten, Verkauft“, machten sie darauf aufmerksam, dass mehr als 100.000 gute Jobs auf der Kippe stehen und es verantwortungslos ist, sie in Gefahr zu bringen. Es ist nicht nur aus sozialer und industriepolitischer Sicht, sondern auch aus menschlicher Sicht verantwortungslos. Denn hinter der Arbeit stehen Gesichter, Menschen in Guter Arbeit, auf die sie stolz sind. Arbeit, die Zehntausende Familien und ganze Regionen ernährt.

„Unsere Politiker sind nicht verlässlich und drehen sich wie ein Fähnlein im Wind. Es ist abenteuerlich zu behaupten, Kohlekraftwerke ließen sich völlig folgenlos vom Netz nehmen“, erklärte Oliver Heinrich, Landesbezirksleiter Nordost den Aufruhr der Beschäftigten. Heinrich weiter: „Braun- und Steinkohle stehen noch immer für 40 Prozent unserer Stromversorgung!“

DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell pflichtete ihm bei: „Wer den Anschein erweckt, er könnte einzig und allein durch ein Abschalten von Kohlekraftwerken die Klimaziele erreichen, läuft in die Irre. Eine nachhaltige Gestaltung der Energiewende sieht anders aus.“

Uwe Teubner, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Lausitz Energie Bergbau AG sagte: „Eines ist klar: Es geht nicht nur um Arbeitsplätze. Es geht um eine ganze Region, die in Gefahr ist, die überaltert wird und in der junge Menschen keine Perspektive haben.“

Wie sehr bei diesem Thema auch bei jungen Leuten zwei Herzen in einer Brust schlagen, verrät der Tenor der jungen Demonstranten. Natürlich wolle man, wie alle anderen auch, ein besseres Klima, aber warum werde einem die Zukunft genommen? Warum müsse ausgerechnet von der Lausitz die ganze Welt gerettet werden? Der 20-jährige Maximilian, der eine Ausbildung zum Mechatroniker bei der LEAG absolviert, sagte: „Wir können unsere Zukunft nicht planen. Wo sollen wir eine eigene Familie gründen? Bleibt uns nur noch der Weg ins Ausland?“ Die 22-jährige Michelle, ebenfalls in der Ausbildung zur Mechatronikerin, ergänzte: „Es geht doch auch darum, dass wir unser Umfeld, unsere Familie und unsere Freunde verlassen müssen, wenn wir hier keine Arbeit finden“.

Ähnlich sah es Mario Schneider, Betriebsrat und Ausbilder bei der Mibrag: „Wir haben zurzeit 152 Azubis. Deren Übernahme ist gefährdet. Natürlich wollen wir alle ein besseres Klima. Aber wir brauchen auch eine Versorgungssicherheit und Leute, die dieses Klima bezahlen können!“ Und Jens Dubrau, BR-Vorsitzender für den Tagebau Welzow Süd fügte hinzu: „Wenn die am grünen Tisch sagen, ‚wir brauchen das nicht‘, dann haben die keine Ahnung und tragen ihre Unwissenheit auf den Rücken der Bevölkerung aus. Ganze Familie drohen zu zerbrechen!“

Während der Mahnwache vor dem Brandenburger Tor fanden ein paar Schritte weiter die Sondierungsgespräche für die Jamaika-Koalition statt. Im Hotel Adlon tagte der SZ-Wirtschaftsgipfel der Süddeutschen Zeitung. Eine schöne Vorstellung, wenn diese nur mit wetterabhängigen erneuerbaren Energien auskommen müssten. Wie eingangs erwähnt: Keine Sonne, kein Wind!

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