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04.06.2018

Kurz erklärt

Potsdamer Modell

Können Sie ganz kurz das ‚Potsdamer Modell‘ beschreiben?
Das Potsdamer Modell ist ein bundesweit einmaliges modernes Arbeitszeitmodell mit zwei Säulen im Tarifgebiet Chemie Ost. Mit dem Potsdamer Modell haben die Tarifparteien (Arbeitgeberverband Nordostchemie und IG BCE) den Betriebsparteien (Geschäftsführung und Betriebsrat) die Möglichkeit zur Regelung der Arbeitszeit für die Beschäftigten geben.
Die Betriebsparteien können erstens ihre eigene betriebliche wöchentliche Arbeitszeiten im Korridor von 32 bis 40 Stunden festlegen, für den gesamten Betrieb oder auch für einzelne Betriebsteile. Voraussetzung ist eine freiwillige Betriebsvereinbarung.
Zweitens können die Betriebsparteien eine individuelle Wahlarbeitszeit ab 32 Stunden regeln, die befristet gilt und nach Ablauf für den Beschäftigten eine automatische Rückkehr zur betrieblichen Arbeitszeit bedeutet, also quasi das Rückkehrrecht von Teilzeit zur Vollzeit beinhaltet, was ja auf gesetzlicher Ebene leider immer noch nicht realisiert ist. Damit können dann auch persönliche Bedürfnisse berücksichtigt werden, die lebensphasensabhängig ja sehr unterschiedlich sein können. Auch dafür ist der Rahmen in einer freiwilligen Betriebsvereinbarung zu regeln.
Einigen sich die Betriebsparteien nicht auf eine betriebliche wöchentliche Arbeitszeit gilt eine sogenannte Auffangregel, mit der die wöchentliche Arbeitszeit in drei Stufen (1.1.2019, 1.1.2021, 1.1.2023) je 30 Minuten um insgesamt 90 Minuten von heute 40 auf dann 38,5 Stunden/Woche reduziert wird.
Wie wird es von Mitarbeitern/Arbeitnehmern angenommen – wie viele Mitarbeiter wollen ihre Arbeitszeit reduzieren?
Die Mitarbeiter freuen sich auf die Umsetzung, der Wunsch nach Verringerung der Arbeitszeit ist groß. Zur Zeit sind die Beratungen der Betriebsparteien noch in vollem Gange. Das Potsdamer Modell gilt für 30.500 Beschäftigte der ostdeutschen Chemieindustrie.
Wie können zum Beispiel Schichtpläne gestaltet werden, wenn nicht alle Mitarbeiter die volle Zeit arbeiten (Maschinen müssen immer besetzt sein)?
Auch das ist Bestandteil der betrieblichen Beratungen. Allerdings steht fest, dass es mit kürzerer Arbeitszeit und wo möglich und gewollt kluger Verknüpfung mit einem weiteren Tarifinstrument, dem Tarifvertrag LephA plus, eine Entlastung für Schichtmitarbeiter geben wird. Wie das konkret umgesetzt wird, ob von 4-Schicht- auf 5-Schicht-Modelle gewechselt wird, ob weniger Bringeschichten geleistet werden müssen oder sich die Anzahl der Freischichten erhöht, das entscheiden die Betriebsparteien.